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Comeback-Sägewerk [Holzkurier Heft 30/31/2004]
Millionen-Sägewerk startet in Rumänien durch

Sebes-Facts
Investition: 70 Mio. €
Eigenkapital: 50%
Break-even-Point: nach 3 Monaten erreicht
Start-Normalbetrieb: Oktober 2003
Mitarbeiter: 600 (Endausbau)
Schichten: 2,5 (derzeit), 3 (ab September), 4 ab Februar 2005
Einschnitt: 1 Mio. fm (2005), Produktion: 600.000 m3/J(Endausbau)
Betriebsgelände: 34 ha (25 ha befestigt)
Trocknungskapazität: 420.000 m3/J (2005),490.000 m3/J (Endausbau)
Hobelkapazität: 360.000 m3/J(Endausbau)
Neustarts: Kontinuierliche Verleim-Anlage für edge-gluedmabashira (Oktober 2004),
Schalplatten-Produktion(noch nicht entschieden)
Märkte: USA (20%), Asien(45%), Europa (15%),Levante (20%)
Eröffnen 70 Mio.€-Investition: Innenminister Saniuta, Präsident Iliescu und Schweighofer (v.l.)
 
 
Er ist wieder zurück – Gerald Schweighofer,eine der schillerndsten Persönlichkeiten der europäischen Holzbranche,startet in Rumänien ein Sägewerk, das im kommenden Jahr bereits an die 1 Million-Ein-schnittsgrenze kommen wird.

70 Millionen-Hobby
Die 70Mio. €-Investition bezeichnet Schweighofer im Understatement als Hobby. Hauptertragsquelle sei mittlerweile das Immobilien-Geschäft. Doch wer weiß,dass er alle 14 Tage mit einem 5-köpfigen Führungsteam nach Sebes/RU fliegt, und wer sieht,mit welchem Engagement er sich vor Ort um den reibungslosen Ablauf kümmert, erkennt,dass hinsichtlich Herzblut wohl die Sägerei die Nummer 1 ist – noch vor Immobilien, Forstbesitz und Vermögensverwaltung.
Holz – oder besser der Verkauf seiner 6 Sägewerke an Stora EnsoTimber – machte Schweighofer auch zu einem der reichsten Österreicher.In Sebes tritt Schweighofer mit einem Team an, das ihm zu einem Gutteil bereits in den 1980iger- und 1990iger-Jahren in Österreich bei Technik, Ein-und Verkauf zur Seite stand. Federführend für die Planung des Millionen-Sägewerkes war etwa Otmar Mittermüller. Im Verkauf setzt man auf die Erfahrung eines Max Luger und Josef Zeller – als Konsulenten mit ausgezeichneter Italien-Erfahrung gewann Schweighofer Jugendfreund Bruno Ruhdorfer.

Umstrittener Standort
Es passt zum Naturell Schweighofers, dass er mit Sebes einen Sägewerksstandort wählte, der von anderen österreichischen Unternehmern als nicht würdig befunden wurde. Deren Argument – zu weit vom Rohstoff entfernt – konterte Schweighofer mit Synergien mit der benachbarten Holzwerkstoff-Produktion:1000 m3 MDF und 1500 m3 Spanplatten wurden bisher täglich von der Gruppo Frati und werden seit 1. Juli von der Kaindl-Gruppe produziert. Der Nachbar ist Restholz-Abnehmer und sorgte für eine entsprechende Infrastruktur im Umfeld.
 
Sägen im Osten wie im Westen.
Die lang gestreckte Form (1,4 km) des 34 ha-Betriebsgeländes legte für die Sägelinie samt Schnittholzsortierung eine parallele Anordnungnahe. Alleine hier musste Mittermüller Konzessionen machen – dem seines Ideal-Bildes eines mitteleuropäischen Hochleistungs-Sägewerkes.„600 km östlich von Wien kann man beim Start keine Experimente wagen, da zählt nur eines: Bewährtes und Zuverlässiges“, ist Mittermüller überzeugt.„Neueste Technik ist dabei ebenfalls selbstverständlich.“ Entsprechend liest sich die Lieferantenliste wie das Who-is-who der europäischen Branchen-Ausrüster(sh. Kasten S. 12 unten).

 Ausstatter Schweighofer, Sebes/RU
 • Linck, Oberkirch/DE: Spaner-Profilierlinie
 • Springer, Friesach: Rund-, Schnittholz-Sortierung
 • Sprecher Automation, Linz: Steuerung, Vermessungam Rundholzplatz
 • Microtec, Brixen/IT: Steuerung, Vermessung in derSägehalle
 • Mühlböck-Vanicek, Eberschwang: Trockenkammern
 • Infodata, Lichtenberg: Rund-, Schnittholz-, Lagerverwaltung
 • Bruks-Klöckner, Arbra/SE: Restholz-Entsorgung
 • Urbas, Völkermarkt: Biomasse-Feuerung
 • Weinig, Tauberbischofsheim/DE: Hobelwerk
 • Nicholson, Kirchbach: Entrindung
 • Volvo, Salzburg: Rundholz-Transport
 • Liebherr, Bischofshofen: Rundholz-Transport
 • Kalmar, Klagenfurt: Schnittholz-Transport
 • AKE, Balingen/DE: Kreissägeblätter
 • Vollmer, Biberach-Riss/DE: Schärfmaschinen
Nach 5 Jahren Abwesenheit Rückkehr als Sägewerksbetreiber - Gerald Schweighofer

Container Verladung auf Bahn Richtung Schwarzmeer-Hafen - im Hintergrund die Tubulator-Förderer zum benachbarten Kaindl-Werk 2 Mal im Monat - Schweighofer (li.) und Ruhdorfer am Rumänien Flug
2 Rundholzplätze.
Der Springer-Rundholzplatz ist auf 800.000 fm/J ausgelegt und wird noch im Herbst um einen reinen 3 m-Kurzholzplatz (40 Boxen) ergänzt. Eingeteilt wird das 2,5 bis 5 m lange Holz in 76 Betonboxen – entsprechend der Qualitätseinteilung des Anlagenbedieners und der zwei 3D-Vermessungsanlagen von Sprecher Automation, Linz, vor und nachder Nicholson A7-27`-Entrindung. Letztere ist wie der gesamte Rundholzplatz auf Leistungen bis 120 m/min ausge-legt. Benötigt wird Sägeholz zwischen 12 und 45 cm Zopf, das an 7 Tagen in der Woche 3-schichtig übernommen wird. Für stärkeres Holz hat man im Entrinder einen Reduzierrotor integriert.
 
Eindrucksvoller Fuhrpark.
Im Vollbetrieb 2005 werden dann 6 Volvo180 HL das Rundholzvon der Box auf die Polter bringen und die Sägelinie beschicken. 4 Liebherr A924 werden für die Entladung der Rundholzwaggons verwendet. An der Sägezubringung wurden von Springer 2 Standardaufgaben mit Drehstammgeber installiert, die pro Minute 42 Zuteilungen mit starkem Ende voraus schaffen. Am Sägeneingang kontrolliert eine Sprecher-3D-Messung die Blochstärke. Auf bis zu 150 m/min werden hier die Bloche beschleunigt und entsprechend der Schnittbilder vor dem ersten VM 30-Spaner in Position gedreht. Bis zu 2 profilierte Seitenbretter können je Seite abgetrennt werden.

Dicht an dicht verlassen die Model das Profilier-Aggregat
VPF 340
42 Zuteilungen pro Minute schafft jede der beiden Zubringungen
Horizontalsäge sorgt für Holzlawine.
Eine Überraschungbietet die weitere Maschinen-Komposition: Bei Schweighofer wurde hinter der Doppelwellen-Kreissäge MKV eine Horizontalsäge HK installiert. So können große Kanthölzer, Morali oder künftig 2-by-4 direkt in der Linie aufgetrennt werden –welche Stückzahl bei 4-stieligen 3 m-Blochen mit 150 m/min auf die Sortierung zurasen, lässt sich leicht ausrechnen.
Es war daher nicht übertrieben, 2 Sortierwerke mit einer Auslegung von 220 Takten pro
Minute in Friesach in Auftrag zu geben. Nach einem 90°-Bogenförderer ist die Sortierung parallel zur Einschnittlinie angeordnet.
 
Transport nur im Film.
Anders als weitere 2004er-Startups sind in Sebes ausschließlich Filmetagen installiert.
„Kantenschonung war mir schon bei früheren Werken wichtig“, erläutert Schweighofer. Beurteilt wird die Ware im Film mit Wendung vom oberen zum unteren Sortierdeck.
Für dünne Seitenware empfahl Springer die Installation von 2 Decks für die obere Beurteilung.
Derzeit sind jeweils 2 Sortierer pro Station im Einsatz.
Ein Vorteil der Parallel- zur Lförmigen Anordnung der Schnittholzsortierung ist die kurze Distanz zur Paketierung – diese beträgt etwas über 30 m. Davor passiert die (Levante-)
Ware noch im Film ein Durchlaufbecken (dieses Imprägnierverfahren wurde von Springer entwickelt). Servogesteuerte Drehzunge, stufenlos verstellbare Lagenkappung und Doppelhubtisch sind die Features der Paketierung.

Linck-Profilierlinie mit bis zu 150m/min Vorschub
Volles Ersatzteillager.
Direkt in der Sägehalle ist der von Hackl, Martinsberg, ausgestattete Schärfraum. Hier arbeiten
Maschinen von: Oppliger, Uetendorf/CH, Vollmer, Biberach/DE, Petschauer,
Bodelshausen/DE, und Reformmaschinen, Fulda/DE. Ebenfalls in der Sägehalle befindet sich das Ersatzteillager – letzteres muss auf Grund der Entfernung zu den Ausstattern zumindest mit
sämtlichen Verschleißteilen bestückt sein. Unmittelbar auf die Sägehalle folgt der von Mühlböck-Vanicek, Eberschwang, installierte Trocknungskomplex. Ein sechster Block ist geordert, für den siebenten sind die Fundamente vorbereitet – das ergibt 2005 eine Trocknungskapazität von 420.000 m3/J. Für die dafür nötige Wärme sorgen ab August
zwei 10 MW-Feuerungsanlagen von Urbas, Völkermarkt.
 
Lieber flexibel.
Eine über 1 ha große Halle beherbergt derzeit 2 Waco-/Weinig-Hobelanlagen sowie eine einfache, gebrauchte Keilzinkenanlage. Im Unterschied zu anderen Großindustrien setzt man in Sebes auf  kleinere Hobellinien, die „uns äußerst flexibel und ausfallssicher produzieren lassen“, erläutert Mittermüller das Ausscheren vom Trend zu Höchstgeschwindigkeitsanlagen – wobei „kleine und langsame“ Hobellinien bei 150 m/min Vorschub und 10- und 6-spindeligen Ausführungen mehr als relativ ist. In Summe wird man heuer 200.000 m3 hobeln können – ab September 4-schichtig. 2005 werden laut Plan dann 3 Anlagen in Betrieb sein.

Wo Hobeln noch Handarbeit ist.
Allen gemeinsam ist manuelle Abstapelung. Bei 10% der österreichischen Lohnkosten
können dort 6 Mitarbeiter die Hobelware kontrollieren und abstapeln. Den Weg der intensiven visuellen Kontrolle und der Produktionsqualität sieht Schweighofer darin bestätigt, dass bisher erst eine Charge von Kunden beanstandet wurde.
 
Container-Verladung neben Gleis.
Gebündelt und foliert verlassen die Pakete die Halle Richtung Container-Verladung. Per Zug gelangen die Container zum Schwarzmeerhafen Constanza und von dort auf die Zielmärkte, die Schweighofer schon 2002 anpeilte: „Die typischen Rumänien-Destinationen Griechenland und Levante. Wir verkaufen am mitteleuropäischen Preisniveau – nutzen aber bis zu 15 €/m3 Frachtvorteile.“
Dazu kommt Japan als der Markt, den Schweighofer Anfang der 1990iger-Jahren als Pionier
für europäische Lieferanten öffnete. Dort ist ebenso wie etwa in China, Korea oder Vietnam die
Abkürzung HS (Holzindustrie Schweighofer) noch bestens eingeführt.

Milde faser, wenig Buchs - laut Schweighofer die Merkmale des rumänischen Fichten-Holzes
Alternative Märkte.
„Für Seitenware haben wir bessere Märkte als Italien“, schmunzelt Schweighofer über anhaltende Ungewissheit über seine dortige Marktpräsenz. „Die Alternativen haben wir auch deshalb, weil wir für die Seitenware kreativere Schnittbilder nutzen, als so manche
österreichische Holzindustrie“, assistiert Ruhdorfer. Hier hilft die Einschnittoptimierung
von Info-Data. Vom EDV-Ausstatter erwarb man eine Komplettlösung: Rund-, Schnitt- und Lagerverwaltung. Entsprechend der Hauptabsatzmärkte hat sich Schweighofer auf die Anlieferung von 3 m- Blochen spezialisiert. Ein Bonussystem hat mitgeholfen, dass die rumänischen Forstunternehmer und Waldbesitzer von der üblichen 8 m-Ausformung abgingen – so gut, dass mittlerweile 85% des Rundholzes in 3 m-Länge einlangt.
 
Knackpunkt Versorgung.
Ein harter Winter, unflexible Waldbesitzer, fehlende Lkw und ein kompliziertes Rundholz-Auktionssystem haben dazu geführt, dass speziell im I. Quartal ein Rohstoff-Mangel herrschte. Laut Prokuristen Dr. Ernst-Hans Lackinger flossen im Juni aber 65.000 fm ins Werk, über den
Herbst hofft man, einen Vorrat von bis zu 100.000 fm horten zu können. Helfen soll hier auch die
ÖBf-Tochter Foria, von der man 40.000 fm unter Vertrag hat. Künftig soll Foria 20% des benötigten Rundholzes liefern. Hinsichtlich der Holzqualität schwärmt Schweighofer – respektive japanische Kunden – von einer ruhigen Faser mit wenig Buchs. Die
Festigkeitssortierung für die amerikanische Zulassung wurde von der Holzforschung
Austria, Wien, durchgeführt. Wenn im Juli die Zulassung für Fichte einlangt, fällt auch der
Startschuss für den fix geplanten US-Export. Das Problem fehlender Transportmittel hat Schweighofer mit der Vorfinanzierung von Dutzenden Lkw für lokale Frächter entschärft
– und auch für das Rundholz fließt mitunter das Geld im voraus, beziehungsweise wird mit Einlangen der Ware überwiesen.
Das Hackgut und die Hobelspäne werden per 350 m-Tubulator- Förderband von Bruks-Klöckner, Arba/SE, zum benachbarten Holzwerkstoffproduzenten
transportiert. Gesammelt wird ersteres unter der Sägelinie, wo es per Tubulator zu 3 Sieben
gebracht wird. Der Holzfluss auf engstem Raum macht Sebes zu einem der viel beschworenen integrierten Standorte.
 
Holzzentrum.
Durch eine mögliche eigene Plattenfertigung vor Ort und die Ansiedelung weiterer Investoren aus der Holzbranche könnte Sebes bald zu einem rumänischen Holzzentrum werden. Der Besuch vom rumänischen Staats-Präsidenten Jon Iliescu unterstreicht ebenso die Bedeutung des Sägewerkes wie die OECD-Investoren-Auszeichnung „Country Award for Romania“, die man am 8. Juli erhielt. Dass Schweighofer bei allen Startproblemen sehr rasch aus den Startlöchern kam, lässt es nicht unwahrscheinlich erscheinen, dass er so Geschmack auf mehr bekommen hat. „Möglichkeiten gibt es viele …“, lautet einer seiner häufiger benutzen Sätze. GE

2 Sortierwerke parallel - bis zu 220 Takte sind hinter der Profilierlinie notwendig


Quelle: Holzkurier 30/31/2004


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