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Hoch industrialisierte Palettenproduktion [Holz-Zentralblatt Nr. 45 vom 07.11.2008]

Hoch industrialisierte Palettenproduktion

Scierie Feidt nach Großbrand wieder aufgebaut - Zulieferer für überwiegend regionale Märkte

 

Nach dem Großbrand vom Oktober 2006 mit der totalen Zerstörung der Betriebsanlagen hat die Scierie Feidt im elsässischen Molsheim einen Neuanfang gewagt. Inzwischen wurde ein vollständig neuer Maschinenpark für die Schnittholzproduktion installiert. Nach erfolgreichem Probebetrieb wurde die reguläre Produktion in diesen Tagen aufgenommen. Die Palettenproduktion läuft bereits seit etwa einem Jahr wieder auf vollen Touren.



Der 10. Oktober 2006 stellte für das Unternehmen den bisher wichtigsten Einschnitt in der über 50-jährigen Geschichte dar. Ein verheerender Brand legte den Betrieb innerhalb weniger Stunden in Schutt und Asche. Die Familie Feidt mit Bernard Feidt, seiner Gattin Marie Laure, und seinen Söhnen Christian und Matthieu an der Spitze entschloss sich zu einem sofortigen Wiederaufbau des Unternehmens. Nach einem Jahr konnte die Palettenproduktion wieder aufgenommen werden. In diesen Tagen geht das Sägewerk nach erfolgreichem Probebetrieb in den Normalbetrieb über. 

„Auferstanden aus Ruinen und gestärkt aus der Katastrophe“, so könnte man das Firmenmotiv von Feidt beschreiben. Seit Ende der 40er-Jahre des letzten Jahrhunderts hat das Unternehmen eine wechselvolle, aber überaus erfolgreiche Entwicklung aufzuweisen. Ursprünglich als Wagnerbetrieb von Fernand Feidt, dem Vater des heutigen Firmenchefs Bernard Feidt gegründet, verlegte das Unternehmen mit dem Wandel im Fahrzeugbau seine Aktivitäten in den 50er-Jahren auf die Produktion von Schnitthölzern und hölzernen Bierkästen für die damals noch prosperierende elsässische Brauereiwirtschaft. Hinzu kamen in Laufe der Zeit noch Transportkisten für die Weinwirtschaft und Verpackungskisten für allgemeine Zwecke.

Im Jahr 1965 betrug die Produktion rund 300 000 Bierkästen. Mit dem Aufkommen automatischer Abfüllanlagen Ende der 60er-Jahre waren aber die Tage der hölzernen Bierkiste schnell gezählt. In dieser Zeit traten Kunststoffkisten ihren Siegeszug an und die Bierkiste verlor praktisch mehr oder weniger über Nacht ihre Stellung. Kunststoffkisten waren viel leichter, weil weit gehend störunanfällig, in den vollautomatischen Abfüll- und Packbetrieb der Brauereien zu integrieren.

  

Spaner-Kreissägen-Anlage mit vorgeschalteter Optimierung

Fotos: Ulrich Schwill

      Mit Christian (l.) und Mathieu (r.) sind
      schon die Söhne von
      Marie Laure und Bernard Feidt (Mitte)
      in die Unternehmensleitung eingetreten. 



Trotz Spezialisierung relativ breite Produktpalette nicht aus den Augen verloren  

Allerdings zeichnete das Unternehmen Feidt schon damals aus, dass man nicht nur auf ein Produkt setzte, sondern mindestens zwei verschiedene Geschäftstätigkeiten ausübte. Dies vor allem auch vor dem Hintergrund, vor Modeerscheinungen auf den Märkten und durch eine gewisse Produktvielfalt unabhängig zu sein.

Aus diesem Grunde wurde schon Mitte der 60er-Jahre die Produktion von Paletten aufgenommen. Daneben bildeten diverse Schnittholzsortimente schon immer das zweite Standbein des Unternehmens. Dies ist auch noch heute der Fall, indem Schnitthölzer für die örtliche und regionale Bauwirtschaft hergestellt werden. Ein Holzeinzelhandel ergänzt das Firmenportfolio.


Mit der neuen Sägeanlage wird Rundholz mit Längen zwischen 2 und 5 m und Durchmessern zwischen 16 und 60 cm verarbeitet. Insgesamt sollen in Zukunft bis zu 100 000 Fm Rundholz von Kiefer, Fichte, Tanne, Pappel und Buche im Sägewerk vorwiegend zu Palettenware eingeschnitten werden.

Großer Wert wird darauf gelegt, dass praktisch die komplette Palettenproduktion aus dem eigenen Sägewerk mit Schnittholz versorgt wird. Die Mengen verteilen sich zu rund 50 % auf die genannten Nadelhölzer und zu je 25 % auf Pappel und Buche. Der Einschnitt von Standard-Ware in allen gängigen Dimensionen ist ebenfalls vorgesehen.

Neue Spaner-Kreissägen-Rundlauflinie 


Nach dem Brand und der Entscheidung für den raschen Wiederaufbau wurde schließlich auf der „Ligna 2007“ der Auftrag für eine Spaner-Kreissägen-Rundlauflinie mit Nachschnitt-Kreissäge und Besäumanlage an Linck in Oberkirch vergeben. Dies auch, weil man bei Feidt schon seit längerem mit diesem Sägewerksausrüster eng zusammengearbeitet hatte. Aus der vorhergehenden Anlage existierte noch als eine der wenigen Maschinen eine Blockbandsäge, die in die neue Anlage integriert wurde.

 

Als Besäumanlage kommt eine „Optimes“ von EWD zum Einsatz. Dies ist übrigens das erste Linck-EWD-Projekt nach der Übernahme von EWD durch Linck.

Eingeschnitten wird Stock oder Zopf voraus gemischt. Weiter können Model, Blöcke und Platten von der vorgeschalteten Blockbandsäge bis zu Breiten von maximal 650 mm verarbeitet werden. Dort werden auch stärkere Rundhölzer bis 100 cm Durchmesser eingeschnitten.

Der Vorschub erfolgt mit Geschwindigkeiten von 30 bis 100 m/min und ist frequenzgeregelt. Am Spaner werden im ersten Durchlauf aus dem Rundholz ein Model und bis zu sechs Seitenbretter produziert. Im zweiten Durchlauf erfolgt das Auftrennen der Model zu Kanthölzern ein- bis dreistielig und bis zu sechs Stück Seitenware.

Die Seitenware wird über einen Separierförderer separiert und der Besäumanlage „Optimes 2000“ zugeführt. Dort werden die Bretter ein- bis dreistielig besäumt. Die erzeugten Kanthölzer werden mit einer von Linck neu entwickelten Doppelwellenkreissäge vom Typ „CSMK225-A1“ zu Palettenware aufgetrennt. Die Standard-Schnittware geht direkt nach dem zweiten Durchlauf zur neuen Schnittholz-Sortier- und Stapelanlage, die von Springer France geliefert wurde. Die Anlage verfügt über 27 Sortierboxen.

Verarbeitet wird dort Schnittware in Stärken von 15 bis 100 mm, Breiten zwischen 50 und 280 mm und Längen von 1,5 bis 5 m mit bis 150 Stück je min. Die Stapelanlage ist ausgelegt auf Leistungen bis zu 17 Lagen je min.

Die Anlage für die komplette Restholz-Entsorgung wurde von Vecoplan geliefert.



Elektronische Vermessung und Optimierung steigert Ausbeute 

Voraussetzung für eine hohe Ausbeute ist die Installation einer 3-D-Vermessungsanlage von Microtec. Diese erlaubt die Optimierung des Einschnitts auf der Hauptmaschine. Die Vermessung und Optimierung erfolgt sowohl beim Rundholz vor dem ersten Einschnitt als auch ein zweites Mal vor dem Einschnitt der Model. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass aus jedem Stück Rundholz bzw. aus jedem Model die optimale Ausbeute an Schnittware erzielt werden kann.

Weitere Kennzeichen der Anlage sind die automatische Stammeindrehung, die Diagonalverschiebung der Model und die hohe Durchlaufgeschwindigkeit. Bernard Feidt zeigt sich von diesem technischen Konzept überzeugt. Dieses sei auch ein Beitrag zur langfristigen Sicherung des Betriebes.

Die Palettenproduktion ist auf rund 1,2 Mio. Stück pro Jahr ausgelegt. Neben standardisierten Europaletten werden etwa 50 verschiedene Spezialpaletten für vielfältige Verwendungszwecke hergestellt. Der Vertrieb erfolgt im Umkreis von etwa 160 km um den Firmensitz. Die gilt auch für den Rundholzeinkauf. Bei größeren Transportentfernungen sei das Geschäft nicht mehr rentabel, betont Firmenchef Bernard Feidt.

Mit der Investition in das neue Werk sei die durch den Brand verursachte Durststrecke überwunden. Für sein Unternehmen und die 50 Mitarbeiter schaut Feidt mit Optimismus in die Zukunft. Dies auch trotz dunkler Wolken am Konjunkturhorizont und sich auch in Frankreich deutlich abzeichnender Krise auf den Finanzmärkten.


Die Besäumanlage ist das erste Gemeinschaftsobjekt von Linck und EWD.

Sortier- und Stapelanlage

Die Palettenfertigung erfolgt räumlich getrennt vom Sägewerk

 



Quelle: Holz-Zentralblatt 45/2008