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Mehr Ausbeute und bessere Schnitzelqualität [Holz-Zentralblatt 15.07.2005]
Stora Enso-Sägewerk in Zdírec kratzt an der Grenze zu einer Million Festmeter Jahreseinschnitt

ba. Mitte vorigen Jahres nahm Stora Enso Timber in seinem tschechischen Standort Zdírec ein umfangreiches Maßnahmenpaket in Angriff, um das dortige Sägewerk des Konzerns an wesentlichen Punkten zu modernisieren. Nach nur sieben Wochen umbaubedingtem Stillstand der Schnittholzproduktion, konnte das Werk in der ersten Februarwoche seine Produktion mit moderner Profiliertechnik wieder aufnehmen. Das Holz-Zentralblatt hatte in seiner Ausgabe Nr. 44 vom 3. Juni bereits kurz über den Abschluss der Umbauarbeiten berichtet. Hier nun ein ausführlicher Bericht.
                                                                          Blick in die Sägehalle mit der neuen Linck-Profilierlinie mit Seitenbrettoptimierung.  
                                                                          Fotos: Bernd Amschl

Täglich werden im Schnitt 3500 bis 4000 fm Rundholz angeliefert, überwiegend per LKW und in Form von Abschnitten. Ein knappes Drittel kommt als Langholz. Das Sägewerk Zdírec verfügt über einen eigenen Gleisanschluss, etwa ein Viertel des Rundholzes wird derzeit per Waggon angeliefert. Auch ein großer Teil der Schnittware verlässt das Werk per Bahnfracht: derzeit etwa 70%.

Verladung von Sägenebenprodukten. Hauptabnehmer für die Hackschnitzel ist Biocel in Paskov und für die Sägespäne Kronospan in Jihlava. Von hier aus wird die ganze Einschnittlinie gesteuert. Der Bedienungsmann verfolgt vor allem die Zubringung zur Einschnittlinie. Der Einschnitt selbst erfolgt automatisch.
Das Investitionsprojekt mit einem Volumen von 9 Mio. Euro, das konzernintern den Namen "Zdírec up" trägt, wurde Mitte 2004 in Angriff genommen und in zwei Phasen abgewickelt. Die erste Phase des Umbaus in der Sägehalle stellte den Wechsel von einer Linck-Reduzierkreissägenanlage aus der Schweighofer-Zeit - in diesem Fall eine Spaner-Kreissägenkombination mit separater Seitenbrettbesäumung - zu einer Profilierlinie mit Seitenbrettoptimierung des gleichen Herstellers dar.
Die Linck-Linie kostete nach Angaben der Auftraggeber 6 Mio. Euro.

Der zweite Teil des Vorhabens umfasst den Bau von acht Kammertrocknungsanlagen der Firma Mühlböck, für die nach Angaben von Stora Enso Timber 3 Mio. Euro ausgegeben wurden. Sägewerksleiter Pavel Urban: "Wir wollten den Produktionsstillstand beim Umstieg auf die Profilierlinie so kurz wie möglich halten. Durch die schnelle Installation konnte Stora Enso viel Geld sparen, der Produktionsausfall war gering". Positiv ausgewirkt hat sich in diesem Fall, dass in der Sägehalle genug Platz vorhanden war, um die neue Linie parallel zur bisherigen Sägelinie zu installieren. Die sieben Wochen Stillstandszeit ergaben sich im wesentlichen durch die Überholung von zwei Kreissägenmaschinen der alten Linie, die bei Linck in Oberkirch generalüberholt und dann in die Linie wieder eingebaut wurden.

Kapazitätsmäßig hat das Unternehmen mit dieser Investition einen großen Sprung vollzogen. In diesem Jahr sollen 850.000 fm und im kommenden Jahr 1.050.000 fm eingeschnitten werden. Die Schnittholzproduktion wird künftig 620.000 m³ erreichen, vor dem Umbau waren es nach Konzernangaben 480.000 m³.

Mit diesen Investitionen wurde nicht nur die bisherige Produktionskapazität um über 30% erhöht, sondern vor allem auch die Ausbeute an Seitenware. Außerdem konnte die Qualität der Hackschnitzel verbessert werden. Sie werden hauptsächlich zu Biocel in Paskov (Tschechien) geliefert. Die Sägespäne gehen zu 95% in die Spanplattenproduktion von Kronospan in Jihlava (Tschechien).
 
Woher kommt das viele Rundholz?
Sägewerksleiter Pavel Urban: "Wir haben nicht viele Möglichkeiten hier und wollen über eine Million Festmeter einschneiden. Wir müssen daher alles nehmen, das heißt Holz aus ganz Tschechien". Die Versorgung des Werkes könnte sich künftig aber doch etwas anders gestalten: Es wird dann etwas Rundholz aus der Slowakei, Polen und auch aus Deutschland kommen, wobei es sich hierbei um begrenzte Mengen handeln dürfte. Wegen des Windwurfs in der Slowakei vom 19. November 2004 stehen in diesem Jahr die Fragen von Menge und Preis nicht im Vordergrund. Da nach Pavel Urbans Angaben aber auch Mayr-Melnhof in Paskov von dort große Mengen bezieht, erwartet er für das kommende Jahr eine angespannte Versorgungssituation. Sowohl Stora Enso Timber wie auch Mayr-Melnhof wollen ja jeweils über 1 Mio.Festmeter einschneiden. Wert legt Urban allerdings auf die Feststellung, dass man für die KVH-Produktion in Zdirec vor allem frisches Holz brauche - und kein Bruchholz.
Für den Rundholzbezug in Tschechien gibt es langfristige Verträge sowohl mit dem Staatswald als auch mit dem Großprivatwald. Auch der tschechische Kleinwaldbesitz liefert gewisse Mengen: Stora Enso Timber hat hier rund 500 Lieferanten. Urban geht davon aus, dass man künftig die Einkaufsstrategie ändern wird. Mit anderen Worten: Die Kleinwaldbesitzer werden für das Unternehmen wichtiger. Damit wird erforderlich, diese vermehrt anzusprechen. Zurzeit kommen 60% des Rundholzes aus dem Staatswald.

Der maximale Vorrat am Rundholzplatz beträgt 45.000 fm, im Normalfall liegen jedoch rund 30.000 fm am Lager. Als ökonomisch optimal sieht er einen Bestand zwischen 25.000 und 28.000 fm an. Das verarbeitete Holz besteht nahezu ausschließlich aus Fichte. Das Mittel der verarbeiteten Stämme liegt bei 26 cm Durchmesser. Produziert wird in den Längen 3 bis 6 Metern. Zurzeit werden hauptsächlich Längen von 4 und 5 m eingeschnitten. In diesem Zusammenhang verweist Uraban auch auf das angelieferte Langholz, das etwas 30 % des angelieferten Rundholzes ausmacht. "Genau daraus kann man in Zdirec entsprechende Längen produzieren, und das ist auch unsere besondere Stärke am Markt", so Urban.

Warum die Entscheidung für eine Linck-Anlage?
Nach Aussage von Urban liegt der wesentliche Grund für die Entscheidung in der Erfahrung von Linck. Nahezu alle modernen Sägewerke hätten Linck-Anlagen installiert, und vor allem österreichische Sägewerke besäßen langfristige Erfahrungen mit diesem Hersteller. Die neue Linck-Linie wird als sehr flexibel bezeichnet: Sie schneidet Stämme von 14 bis 50 cm Durchmesser ein. Die Vorschnittgruppe besteht aus einer Einzugsvorrichtung "EV50" (mit automatischer Stammeindrehung, die bei krummen Hölzern den Bogen in die optimale Lage eindreht) und einem Profilspaner "VM45". Der Eindrehwinkel wird aus Daten eines 3D-Mess-Systems berechnet.

Im Nachschnitt wird eine Einzugsvorrichtung "EVP50" kombiniert mit einem weiteren Profilspaner "VM45" eingesetzt. Die Einzugsvorrichtung zeichnet sich durch die Möglichkeit aus, das Model dem Spaner diagonal ausgerichtet zuzuführen. Bei gekrümmten Stämmen wird unter Ausnutzung der Abholzigkeit des Stammes das Schnittbild an eine Deckflächengrenze des Models gelegt, um das Entstehen einer (unzulässigen) Baumkante auf der Innenseite der Krümmung zu vermeiden. Der Nutzen dieser Modelausrichtung liegt in der Erzielung einer höheren Ausbeute.

Im Anschluss an den zweiten Spaner werden die vier Deckflächen des Blockes vermessen. Die Seitenwareoptimierung wählt auf der Basis dieser Messwerte und einer vom Betreiber pflegbaren Tabelle die nach Wert optimierten Seitenwaredimensionen aus. Die Seitenbretter - wie auch ihre Lage im Stamm - können so auf allen vier Seiten in Länge und Breite unterschiedlich ausfallen.

Mit der anschließenden ersten Profiliergruppe werden maximal 2 x 2 Seitenbretter erzeugt. Die Gruppe besteht aus einem Profilieraggregt "VPF" und einem Profilieraggregat "VPKS". Zum Abtrennen der vier Seitenbretter wird eine aus der Altanlage übernommene Doppelwellenkreissäge vom Typ "VS80" eingesetzt.

Die zweite Profiliergruppe besteht wiederum aus einer "VPF" und einer "VPKS", gefolgt von einer ebenfalls aus der Altanlage übernommenen Doppelwellenkreissäge "MKV". Auch diese Gruppe erzeugt maximal 2 x 2 Seitenbretter. Die "MKV" trennt in einem Arbeitsschritt die Seitenware ab und die Hauptware auf.

Tschechien, Österreich, Japan, Deutschland - überallhin wird verkauft
Der Hauptmarkt des Sägewerks ist der tschechische Markt, gefolgt von Österreich, Deutschland und Italien. Von Zdirec aus bedient werden aber auch Japan, die USA, England und Australien, arabische Länder, Frankreich, Griechenland, Spanien und die Slowakei. Die Hauptprodukte von Stora Enso Timber in Zdírec sind Schnittholz für KVH (43%) und Leimbinder (8%). Damit unterscheidet sich dieses Werk von den anderen Produktionen des Konzerns in Zentraleuropa, in denen auch Hobelware erzeugt wird, hauptsächlich für Japan und Australien, die USA und Großbritannien.

 

Der Spanereinzug fährt dem Nachschnittspaner das Model diagonal ausgerichtet zu. Ein Separiertransporteur trennt die Seitenware von der Hauptware.


Weiterer Ausbau des Standortes ist geplant
Wie Urban gegenüber dem Holz-Zentralblatt versicherte, sei daran gedacht, in der Region um Zdírec mehr Holzverarbeitung zu etablieren. Ins Auge gefasst habe man verschiedene Schritte wie z.B. die Produktion von Leimbindern oder auch Dreischicht- und Schalungsplatten. Selbstverständlich gebe es auch Überlegungen, hier Pellets zu produzieren, wofür allerdings aber noch eine entsprechende Abnehmerinfrastruktur in Tschechien fehle. Der Pelletsverbrach sei bislang sehr niedrig.

In diesem Zusammenhang wies Urban auf die aktuelle Überproduktion an Pellets in Österreich hin. Urban wörtlich: "Wenn wir eine Million Festmeter einschneiden, müssen wir uns natürlich Gedanken darüber machen, was beispielsweise mit dem Restholz geschehen soll". Ähnliche Kooperationsprojekte mit Pelleterzeugern wie beispielsweise an den österreichischen Stora Enso Timber Standorten in Ybbs oder Sollenau und Brand werden überlegt. Das sei zwar noch nicht ganz zu Ende durchdacht, aber in Zukunft durchaus möglich.

Der Ansicht des EOS-Präsidenten Hans Michael Offner, nämlich dass derjenige, der in fünf Jahren in sein Sägewerk nichts investiere, bald zusperren müsse, kann Urban einiges abgewinnen. Man blicke in Zdírec optimistisch in die Zukunft, verfüge nun über eine moderne Sägelinie und habe durchaus konkurrenzfähige Produktionskosten. Daher habe man hier gute Voraussetzungen geschaffen, um hier auch künftig weiter investieren zu können.

Auf die Frage, ob Holz in Tschechien eine gute Zukunft habe, antwortet Urban: "Wir glauben daran, dass der tschechische Markt aufnahmefähig ist. Diese Erfahrungen konnten wir im abgelaufenen Jahr durchaus machen". Etwa 10% der Produktion in Zdírec - und zwar ohne KVH - wurden auf dem tschechischen Markt abgesetzt, das sind rund 110.000 m³. Natürlich sei die verstärkte Verwendung von Holz in Tschechien auch eine politische Angelegenheit. In Österreich habe Holz zugegebenermaßen mehr Tradition, so Urban. Die Tschechen wüssten noch nicht genug über Holz, ihr Wissen müsse ausgebaut werden.

Auf die Frage, ob sich Stora Enso dahingehend engagieren werde, den Pro-Kopf-Verbrauch an Holz in Tschechien zu steigern, beantwortet Urban so: "Es wird eine Plattform, die sich "Holz für das Leben" nennt, etabliert. An dieser Plattform werden sich auch andere große tschechische Unternehmen beteiligen". Letztlich knüpfe sich daran die Hoffnung, dass Architekten und über die Architekten die Menschen einen besseren Zugang zu Holz erhalten.


Pavel Urban, seit 1998 Sägewerksleiter von Stora Enso Timber in Zdírec Ein Überblick über den Rundholzplatz, im Hintergrund das Heizkraftwerk mit zwei Kesseln von 6 und 8 MW Leistung. Der Sortierstrang umfasst 52 Boxen. Sortiert wird in vier Schichten an sieben Tagen der Woche, wobei Samstags vormittags für Wartung und Justierung pausiert wird.


Quelle: Holz-Zentralblatt 56/2005