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62 cm Zopf profilieren [Holz-Kurier Heft 49 vom 07.12.2006]
Sägewerks-Neubau während man produzierte

Holzkurier-Eigenbericht aus Wolfsberg/K



Investierte fast 40 Mio. € in neuartiges Starkholz-Sägewerk:
Komm.-Rat DI Hans Michael Offner


Ist das die Zukunft der Starkholz-Verarbeitung? In Wolfsberg startet die Holzindustrie Offner eine weltweit noch einzigartige Profilierlinie: Durchmesser bis maximal 62 cm Zopf können dort mit beträchtlicher Leistung, schöner Oberfläche, hoher Genauigkeit und Ausbeute eingeschnitten werden. Eine in die Linie integrierte Seitenwaren-Optimierung holt gerade aus den beim Starkholz besonders wertvollen Mantel-Teilen noch weitere Quäntchen Ausbeute und Euros heraus.

Rundholz-Realität suchte Lösung. Das sind alles Parameter, die Unternehmenseigentümer Komm.-Rat DI Hans Michael Offner in das Pflichtenheft für die 40 Mio. €-Investition schrieb. Umzusetzen hatte das sein Projektteam unter Leitung von Betriebsleiter Rochus Sachadonig und seinem Stellvertreter Markus Wernig gemeinsam mit den Kern-Ausrüstern Linck, Oberkirch/DE, und der Maschinenfabrik Springer, Friesach. „Wir mussten uns einfach für Starkholz etwas einfallen lassen. Die Gebirgswälder südlich des Alpenhauptkammes sind reich an stärkerem Holz, der Altholzvorrat steigt. Bei der Media waren wir zuletzt bereits bei 27 cm angelangt“, erläutert Offner, der eine Lösung suchte, das Rundholz-Angebot rationell zu nutzen. „Der höhere Rundholzpreis trägt nun dazu bei, dass wertvolle Starkholz-Bestände endlich nutzbar werden.“

Spaner musste es sein. Bei Gatter und Bandsäge störte den Vorsitzenden der österreichischen und europäischen Sägeindustrie die aus seiner Sicht zu geringe Leistung. Überdies hat man in Wolfsberg seit 1982 Erfahrung mit der Profiliertechnik. „Wir waren die ersten mit acht Seitenbrettern – mussten dabei aber bisher ab 35 cm Zopf Ausbeute-Kompromisse hinnehmen“, erläutert Offner, der dafür nun folgende Lösung zur Verfügung hat: Jeweils nach zwei Linck-V 50-Spanern sind zwei Seitenbrett-Optimierungen installiert, gefüttert mit Informationen von zwei Sprescan-3D-Modelscannern von Sprecher Automation.

Seitenbrett-Optimierung. So lassen sich im virtuellen 3DKörper bis zu drei Seitenbretter je Seite in Breite und räumlicher Lage verschieben, bis Wert oder Ausbeute optimiert sind: Aus Stämmen mit bis zu 62 cm Zopfdurchmesser. Zusätzlich wurde in Wolfsberg nun vor den Fräsern eine Vorritzsäge integriert, um Ausrisse vor und nach den Ästen zu vermeiden – eine Problematik, die Offner auf der 1982 installierten Linck-Linie (bis 43 cm Zopf) noch hatte.


  
Verantwortlich für die Produktion von
bis zu 350 Brettern in der Minute
- Anlagenbediener vor Kontrollmonitoren
        Model sind abgespant - Seitenwaren in Breite
        und Lage vor der 1. KCSU schon virtuell optimiert

            
"Halbzeit": Linie bis vor die Nachschnittsägen
und dem Bypass
FOTOS: EBNER; GRAFIK: OFFNER
      "Ungeahnte Möglichkeiten im Direkt-Einschnitt."
      Hans Michael Offner




Hohe Vorschübe. Offner geht davon aus, dass er mit dieser Maschinenkonstellation eine Lösung hat, um gerade auch bei Durchmessern von 35 bis 55 cm mit hoher Leistung arbeiten zu können. „Frequenzgeregelt fahren wir zwischen 45 und 130 m/min – sind also beim Schwachholz voll konkurrenzfähig und spielen beim Starkholz in einer eigenen Liga“, meint Offner.

„Der Pferdefuß beim Starkholz- Einschnitt ist aber der relativ hohe Anteil an schlechten Qualitäten“, gesteht Offner, der aber mit der im Dezember 2005 eingebauten Dreifach-Bandsäge von Esterer WD, Reutlingen/DE, samt TC Maschinenbau-Mechanisierung eine zusätzliche Filetiermöglichkeit hat. „Hier können wir etwa Leimbinderausschuss bearbeiten und über dieBündelung lassen. Ich glaube aber, dass wir vieles in der Linie bei den zwei MKV fertigbearbeiten werden. An der Bandsägekann Ware sämtlicher Dimensionen stehend und liegend aufgetrennt werden – sie wird kontrolliert, gebündelt, umreift und paketiert“, erläutert Offner.

Neubauen und parallel produzieren. Starkholz mit Höchstleistung zu profilieren wurde bei Offner also mit mehreren Maschinenprototypen, -Verstärkungen und -Adaptierungen von Linck und Springer als den Schlüssellieferanten umgesetzt. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass der komplette Neubau der Sägehalle, die Installation der Sägelinie samt dazugehörigem Umbau der Rundholz-Aufgabe, die Verknüpfung von bestehender Schnittholzsortierung und Anbindung der neuen Haupt- und Seitenwarensortierung im laufenden Betrieb erfolgte.

Die gesamte Absaugung für die Sägelinie lieferte Scheuch, Aurolzmünster.

Neben den Ausrüstern dankt Offner hier Projektkoordinator DI Alfons Rink und seiner Sägewerksstammmannschaft. Allen gelang der punktgenaue Startschuss mit dem ersten geschnittenen Stamm am 10. November und dem Start der zweiten Schicht bereits in der KW 48.

Stock voraus. Das neue Sägewerk ist mit einer Linck-Rundholz-Zubringung ausgestattet. Hier werden sämtliche Stämme auf stock-vorausgedreht – nicht passende Stämme können aussortiert werden. Unter der Bedienkabine erfolgt die Sprescan-3D-Konturvermessung von Sprecher zur Stammeindrehung vor dem ersten V 50-Spaner. Das Model wird vermessen und gedreht und im zweiten V 50-Spaner bearbeitet.

Bei Offner folgen zwei CSMK-Aggregate, um den Vorschnitt – mit vier plus zwei Seitenbrettern – zu beenden. Im Nachschnitt sind nochmals vier Seitenbretter möglich und mit einer weiteren CSMK auch Kern- und Trennschnitte: In Linie gibt es nun noch eine MKV mit Kreuzschnittvorrichtung – werden noch Kernbretter rausgeschnitten, wird über einen Bypass eine zweite – noch zu installierende – MKV angefahren.

Bretterlawine bändigen. Die 350 Bretter pro Minute, die maximal bei 140 m-Vorschub erzeugt werden, müssen vom neuen und den beiden bestehende Springer-Sortierwerken aufgenommen werden (sh. Holzkurier 47, S. 16). Dafür übergeben sechs Förderbänder die Seitenware an die Sortierwerke, in der Mitte füllt die Hauptware die Sortierung.


 


Durch die fliegende Produktions-Übergabe von bestehender zur neuen Profilierlinie wird man heuer – trotz witterungsbedingten Versorgungsproblemen zu Jahresbeginn – erneut nur knapp unter der Vorjahresmarke von 470.000 fm einschneiden.

Bis 800.000 fm/J. 2007 plant man im Eineinhalb-Schichtbetrieb 600.000 fm, um dann bis 2009 auf 800.000 fm hochzufahren. „Das wären die Ausnutzung der maximalen Versorgungs-Möglichkeiten aus der näheren Umgebung und eine volle Ausreizung der 60.000 fm Rundholzkapazität. Der vergangene Winter hat uns gezeigt, wie wetteranfällig die heimischen Hightech-Sägewerke sind: Ziehharmonikaartig wird wohl auch künftig die Produktion und Lagerung erfolgen müssen – viel, wenn Holz voll fließt, und weniger, wenn es knapper ist.“

Falls gewünscht: Full-Service für Waldbesitzer. 80% der Rundholz-Versorgung will Offner im Umkreis von 100 km decken. „Wir haben in jedem Bezirk Einkäufer, die für die Waldbesitzer bei Bedarf von der Ernte bis zum Abtransport alles organisieren“, mobilisiert Offner in eigener Sache.

99% des möglichen angebotenen Durchmesser-Spektrums glaubt er selber direkt verarbeiten zu können. Zu starkes Holz könnte auf 60 cm Zopf reduziert werden. Oder: „Auch Tausch mit Bandsägewerken ist möglich“, unterstreicht er.

Markante Ausbeute-Steigerung. Die Durchmesser-Media dürfte von 27 cm auf 30 cm steigen. Offner rechnet damit, dass er von derzeit 62,5% Ausbeute (Spaner und Gatter) auf beachtliche 65,5% kommen könnte.

Insgesamt investiert Offner am Standort knapp 40 Mio. €. „Alleine die hohen Kosten werden die meisten Mitbewerber wohl davor zurückschrecken lassen etwas ähnlich Anspruchsvolles zu installieren“, antwortet Offner augenzwinkernd auf die Frage, ob dieses Werk der Startschuss für eine völlig neue Art der Starkholzverarbeitung sei.

Höhere Trocknungsrate. Als nächster Ausbauschritt soll die derzeitige Trocknungskapazität von 250.000 m3/J um weitere 50% aufgestockt werden. Noch im Projektstadium ist laut Offner eine Pelletieranlage. Diese könnte 2007/2008 umgesetzt werden. Wunschkapazität: 40.000 t/J. Zur Spänetrocknung und für die Trockenkammern müssten zusätzliche 12 MW-Wärme vom Wärme-Vertragspartner und Nachbarn Mondi Packaging, Frantschach, kommen.

Kunden verarbeiten. Weitere Verarbeitungsschritte hat Offner nicht auf seiner Prioritäten-Liste: „Wir sind in der Vergangenheit schon gut mit der Philosophie gefahren: Mache deinen Kunden keine Konkurrenz – das gilt auch für die Zukunft.“ Ein – noch geheimes – Zukunftsprojekt ist die Produktion von Wood-Plastics-Composites (WPC) für Stiele für die eigene Werkzeug-Fertigung. Damit macht man keinem Kunden Konkurrenz.            GE



Quelle: Holzkurier Heft 49 vom 07.12.2006