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Sägen in der Taiga [Holz-Kurier Heft 42 vom 15.10.2009]
Nordische Qualität mit mitteleuropäischer Präzision

Mit mitteleuropäischer Genauigkeit nordische Holzqualitäten zu verarbeiten – das ist die Intention des Mayr-Melnhof-Sägewerkes in Efimovskij/RU. Ende September startete es offiziell 300 km von St. Petersburg entfernt.

 
Zumindest vier Stunden Autofahrt sind von St. Petersburg aus nötig, um zum jüngsten Sägewerksstandort der Mayr-Melnhof Holz-Gruppe zu gelangen: Efimovskij. Mit diesem – nach russischen Verhältnissen – Katzensprung ist man „mitten im Rohstoff“, wie Ing. Anton de Menech, Technik-Vorstand der Mayr-Melnhof Holz-Gruppe, betont. „Entscheidend für die Standortwahl war, dass bewirtschaftbare Waldflächen in unmittelbarer Nähe zum Sägewerk vorhanden sind.“

240.000 ha Wald gepachtet
Bisher hat der Konzern für 49 Jahre 240.000 ha gepachtet, weitere Flächen sollen noch folgen. Bei der Auswahl und beim Abschluss des Pachtvertrages half der russische Drittel-Partner LSR. Vom Sägewerk selber war noch nicht viel zu sehen, als
unter Leitung von OFM Dipl.-FW Mathias Hoesch die Planungen der Erschließung und Bewirtschaftung dieser Waldflächen begannen.
Die Herausforderung: Rund ein Drittel des Plan-Einschnittes von 650.000 fm soll 2011 aus den eigenen Wäldern kommen. „Die gesamte forstliche Infrastruktur muss von uns aufgebaut werden“, erläuterte de Menech. „Neben Fichte und Kiefer, die wir benötigen, stockt auch viel Birke und Aspe auf unseren Flächen. Es müssen rund 450.000 fm mit Subunternehmern auf der Fläche geerntet werden, uns im Einsatz.“ „Die Arbeit im Wald ist mindestens so anspruchsvoll wie im Sägewerk“, lobte Vorstandsvorsitzender Mag. Josef Dringel in seiner Eröffnungsrede das Forst-Team (s. Beitrag S. 9).

Die Gräben sind tief, die man überwinden muss,
damit russisches Rundholz ins Sägewerk kommt
In Zentimeter-Schritten wird das Holz sortiert
am asphaltierten Platz ist es für die Fahrmaschinen
nicht weit bis zur Aufgabe der Sägelinie
Mit mitteleuropäischer Holzernte-Technologie
wird in den gepachteten Wäldern gearbeitet
Bildquelle: Mayr-Melnhof Holz (9), Ebner
Bei Entrindung und Vermessung geht man in
Efimovskij neue Wege – entrindet wird mit Doppelrotor,
vermessen in 2D

Sägewerk Efimovskij auf 24 ha:
1) Rundholzplatz, 2) Produktionshalle, 3) Vorsortierung, 4) Trockenkammern, 5) Heizwerk, 6) Hobelwerk,
7) fünf Lagerhallen, 8) Transformator-Station, 9) Erweiterungsfläche (18 ha)

 
Russland angepasst
Was sich de Menech für Efimovskij ausgedacht hat, entspricht der Erfahrung mit der Errichtung von zwei und dem Betrieb von fünf Sägewerken in Mitteleuropa. Die bisherigen Stammausrüster lieferten folgerichtig auch die Kernkomponenten für den russischen Betrieb. „Minimale Abstriche gibt es hinsichtlich der einfacheren Bedienbarkeit. Die Linck-Sägeanlage ist eine moderne Profilier-linie – mit einfachem Frequenzumformer, aber ohne Scanner und Optimierungskomponenten.
Das brauchen wir hier nicht. Die Linie ist einfach und beherrschbar.“ Passend dazu wurde bei der Schnittholz-Sortierung nur eine einfache Visualisierung eingesetzt. „Gut 300 km von St. Petersburg entfernt ist es mir wichtig, dass alle Anlagenteile auf höchste Verfügbarkeit getrimmt sind. Diesbezüglich habe ich die Ausrüster ausgewählt – mit unseren Werken haben wir Erfahrung.“ Die Treue und Performance der Zulieferer „trotz aller Schwierigkeiten“ ringt de Menech Respekt ab. Die Ideen von de Menech setzten in den vergangenen drei Jahren vor Ort Jürgen Heinzelmann und Peter Jodl um. Der Schlüssel für die reibungslose Produktion liegt nun bei Betriebsleiter DI Gerold Timmerer.

Nähe Rohstoff, guter Verkehrsanschluss
Efimovskij passt nicht nur durch die Nähe zum Rohstoff, sondern auch verkehrstechnisch. Das Sägewerk liegt am Hauptgleis St. Petersburg–Vologda. Drei Gleisanschlüsse sind verlegt. Genutzt wird das Gleis sowohl für die Rundholzanlieferung
(rund 30 %) als auch für den Schnittholz- und Säge-Nebenprodukte-Transport – letzterer etwa nach Finnland. Auch die Hauptstraße zwischen diesen beiden großen russischen Städten führt durch Efimovskij. So setzt man eigene MM-Lkw
auch für den Rundholztransport ein.

Andere Länder, andere Längen …
Der 8 ha große Rundholzplatz wurde wie alle von de Menech geplanten Plätze eingerichtet: Die Anlagen kommen von der Springer Maschinenfabrik, Friesach. Sprecher Automation, Linz, lieferte die Vermessungs- und Steuerungskomponenten
sowie die Anlagenvisualisierung. „Da in Russland bringungsoptimiert mit 6 m Länge ausgeformt wird, mussten wir uns etwas einfallen lassen“, erläutert de Menech die Installation einer Trenn und Frässcheibe. Diese sorgt für die Ausformung der 6 m-Stämme in 3 m-Bloche direkt im Quertransport. Aus dem eigenen Wald erhält man 4 und 5 m-Bloche. Man verarbeitet also Stämme mit 3, 4 und 5 m-Länge und 12 bis 37 cm Zopf. Sortiert wird bis Zopf 28 cm in Zentimeterschritten, darüber alle 2 cm. „Eingeteilt wird in 56 Betonboxen. Am Rundholzplatz reicht uns eine 2-Ebenen-Messung – also die klassische Dimensionsbestimmung“, informierte de Menech. Erstmals setzte er in Russland auf  eine Valon-Kone-Entrindung: „Sie
haben viel Russland-Erfahrung. Das Doppelrotorprinzip sollte bei Temperaturen von –30° C besser funktionieren.“

Rundholzpuffer vor Ort
Da es speziell nach dem Winter zu erschwertem Antransport kommen kann, hat man auf 4 ha neben dem Sägewerk ein Nasslager eingerichtet. 60.000 fm, also eine Monatsproduktion, kann dort zwischengelagert werden.
Die Rundholzmanipulation übernehmen Fahrzeuge von Liebherr, Bischofshofen, und Terex Fuchs, Bad Schönborn/DE – so auch die Rundholzaufgabe auf die Springer-Zubringung vor der Sägelinie. Die Sprecher-Messvorrichtung prüft, ob
Fehlsortimente mit dabei sind. Auch wird die Zopflage bestimmt. Ist es nötig, kommt die Springer-Drehvorrichtung von oben zum Einsatz. In Efimovskij wird stockvoraus eingeschnitten.

Klassische Profilierlinie
„Klassisch – Spaner, Kreissägen, Fräser und sonst nichts“, lautete die Beschreibung de Menechs für die Linck-Spaner-Profilierlinie. Also wie bereits beschrieben: einfach und beherrschbar. Der Vorschub ist auf  100 m/min beschränkt. Erzeugt werden im Vorschnitt vier Seitenbretter, zwei sind es im Nachschnitt. Die maximale Schnitthöhe an den Kreissägen
beträgt 300 mm. Die verwendeten Böhler-Miller-Kreissägeblätter werden wie alle anderen Werkzeuge auch im von
Schirnhofer, Leobersdorf, eingerichteten Schärfraum überholt. Kernausrüster hier ist Vollmer, Biberach-Riss/DE.
Für die Haupt- und Seitenware hat Mayr-Melnhof bei Springer zwei Sortierwerke mit jeweils zwölf horizontalen Etagen bestellt. Die jeweils in einer automatischen Paketierung enden. Sortiert wird visuell: Das Holz-Know-how holten sich die russischen Mitarbeiter in Leoben und Paskov/CZ. Bis zu zwölf Monate lang wurden sie dort ausgebildet.
Für die Nachsortierung von Trockenware gibt es eine Fremdaufgabe. Hier kann etwa in einer Zusatzschicht gearbeitet werden.
Die gesamte Elektronik und die Steuerung stammen von Microtec, Brixen.



Das Hobelwerk gibt der nordischen Schnittware den
Feinschliff hinsichtlich Oberflächengüte und Dimension
Schnittholzsortierung: Die russischen Mitarbeiter waren bis
 zu einem Jahr in Österreich, um Holz-Know-how zu erhalten


Hackgut nach Skandinavien
Durch die Option des Hackgutverkaufs nach Finnland wird entsprechend der skandinavischen Sortierkriterien gesiebt. Dieser Teil, wie die gesamte Säge-Restholz-Entsorgung, kommt vom Stammausrüster Rudnick & Enners, Alpenrod/DE.
Am Ende der Sägewerksproduktion – unmittelbar vor den überdachten Lagerflächen und dem Hobelwerk – steht der derzeit zehn Trockenkammern von Mühlböck, Eberschwang, umfassende Trocknungskomplex. Die 3800 m3 (netto) Kammervolumen und werden von den beiden 10 MW-Heizwerken von Urbas, Völkermarkt, mit Wärme versorgt.
Hinsichtlich der Wärme hat man schon die Erfordernisse einer möglichen Weiterverarbeitung (s. Beitrag S. 9) mitberücksichtigt.
Verfeuert werden Rinde, wenn nötigt auch Sägespäne. Den Schnittholztransport zwischen Säge- und Hobelwerk sowie zu den fünf überdachten Lagerplätzen erledigen fünf  Kalmar-Stapler DCE160-12. Die teilweise geschlossenen Hallen sollen vor den Herbststürmen und dem Schnee schützen.

Top-Hobelqualität
Ebenfalls bereits in Betrieb ist das Hobelwerk, das von Springer und Waco/Weinig ausgerüstet wurde. „Mit hochqualitativer Hobelware versorgen wir den japanischen und britischen Markt“, erläuterte Mag. Alfred Jechart, Vorstand Vertrieb.
Der Exportverkauf wird über Leoben abgewickelt. Dort ist man durch die TimberTec-Betriebs-EDV über die Produktion und Lagerstände informiert. Der Export kann per Container erfolgen. Diese werden in Efimovskij befüllt und dann über St. Petersburg verschifft. Bis zu 20.000 m3/J sollen in die eigene mitteleuropäische Weiterverarbeitung gehen und skandinavische Ware ersetzen. „Wir haben eine einzigartige Qualität. Skandinavische Holzfaser kombiniert mit einer Oberflächengüte,
Dimensions- und Trocknungsgenauigkeit, wie sie dem mitteleuropäischen Topniveau entspricht“, schwärmte Jechart. Dichte Jahrringe, gesundastig, wenig Harzgallen und hohe Festigkeiten sind Attribute, die er der Schnittware zuordnet. Derzeit
wird zu 100 % Fichte verarbeitet. Mittelfristig kommt zu 10 bis 15 % Kiefer hinzu. Sortiert wird nach den österreichischen Holzhandels-Usancen.

Versandfertige Schnittholzpakete – im Hintergrund
das Urbas-Heizwerk mit zwei 10 MW-Kesseln, deren
Kapazität ist bereits auf eine mögliche Weiterverarbeitung
ausgelegt


Russland wird als Markt immer wichtiger
In Paskov machte Mayr-Melnhof Holz erste Osteuropa-Erfahrung. „Ich könnte mir in Efimovskij eine ähnliche
Entwicklung vorstellen. Der Heimmarkt wird immer wichtiger“, erwartet sich Jechart. „Der russische Markt wird kommen.“ Vorerst sind Japan, Zentraleuropa, das Baltikum sowie Großbritannien und Russland die Hauptmärkte.

Sägewerk in Schublade
Der Vorstand hat auch bereits ein vollständig ausgearbeitetes Projekt für ein weiteres Sägewerk in Russland in der Schublade: Syktyvkar. Dafür existiert bereits eine Baugenehmigung. Diese Option wird man dann einlösen, „wenn es die Konjunktur
am Nadelschnittholz-Markt zulässt“, erfährt man derzeit aus der Mayr-Melnhof Holz-Zentrale in Leoben.
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Quelle: Holz-Kurier Heft 42 vom 15.10.2009